Termine

Michael Nuber am Klavier.
Michael Nuber

Klavierabend Michael Nuber

So.,15.11.2026 19 Uhr Schwörhaus (Städt. Musikschule)
Erika Künzelplatz 1
Romantische Meisterwerke und Bearbeitungen:

Bach-Busoni: Chaconne d-moll
Franck: Prélude – Fugue – Variation (Bearbeitung für Klavier: Michael Nuber)
Mussorgski: Bilder einer Ausstellung

Bach/Busoni: Chaconne d-moll:
Zahlreiche Pianisten und Komponisten der Romantik beschäftigten sich zum Teil jahrelang mit der Bearbeitung Bachscher Orgelwerke und anderer Meisterwerke für das Klavier. Vor allem Liszt schuf auf dem Gebiet der Transkription viel Neues. Das romantische Klavier wurde zum Universalinstrument, das jeden Klangcharakter reproduzieren und in seine illusionistische Klangwelt einbeziehen konnte. Ferruccio Busoni (1866-1924) schuf eine neue Phase der Transkriptionskunst durch Oktaven, weitgriffige Akkorde, Pedalwirkungen, durch das Raffinement einer Liszt überbietenden Satz-und Anschlagskunst. Die Transkriptionen gelten ihm als „Hochschule des Klavierspiels“. Die Bachsche Musik vergleicht er mit einer alten, stämmigen Wurzel, die, selbst immerwährend alternd, zugleich immerwährend Jugendlichstes hervortreibt.
Die Chaconne bildet bei Bach den Schlusssatz der Partita d-moll für Violine solo, kann aber – vor allem in der Übertragung Busonis – für sich alleine stehen. Sie wirkt in jeder Hinsicht wie ein in sich abgeschlossenes Werk.
Für den Interpreten bedeuten solche Transkriptionen ein Spagat zwischen den Vorstellungen des Komponisten und seiner Zeit und der über 150 Jahre späteren romantischen Übertragung. Busoni hat aber weitgehend den ursprünglichen Text Bachs bewahrt, hat einige wenige Takte (für Steigerungen) hinzugefügt, viele Stellen dem Klavierklang und seinen Möglichkeiten angepasst und sich wenige Male harmonische Eingriffe erlaubt.

Modest Mussorgski (1839-81): Als Mussorgski mit 35 Jahren seinen Klavierzyklus „Bilder einer Ausstellung“ schrieb, stand er auf der Höhe seiner Schaffenskunst. Sein 2 Jahre vorher vollendeter „Boris Godunow“ war Anfang des Jahres 1874 erfolgreich aufgeführt worden.
Im Frühjahr dieses Jahres wurden in einer der Petersburger Akademie der Künste veranstalteten Gedächtnisausstellung Aquarelle, Zeichnungen und Entwürfe von Viktor A. Hartmann gezeigt. Dieser Architekt und Maler, dessen Arbeiten heute fast vergessen und nur teilweise erhalten sind, ein Freund mussorgskis und nur wenig älter als er, war im Sommer des vorhergehenden Jahres plötzlich verstorben. Sein Tod war mussorgski sehr nahegegangen.
Mag der künstlerische Wert seiner damals ausgestellten Arbeiten auch nicht bedeutend sein, so haben sie doch in dem sie betrachtenden und ergriffen sich erinnernden Freund eine lebhafte Reaktion ausgelöst. Die Musik zu einigen Bildern muss den Komponisten schon bald nach seinem Besuch der Ausstellung beschäftigt haben; beendet hat mussorgski seine Arbeit schon am 22.6. dieses Jahres. Der Komponist schrieb in dieser Zeit in einem Brief: „... Hartmann brodelt, wie der „Boris“ gebrodelt hat – Töne und Idee hingen in der Luft herunter, ich schlucke sie und esse mich daran voll, kaum schaffe ich es, sie auf’s Papier zu bringen.“


Mussorgskij: Bilder einer Ausstellung


Als eine „Promenade“ bezeichnet Mussorgskij die Introduktion, welche der Reihe der musikalischen Bildbetrachtungen vorausgeht: eine ruhige, nahezu symmetrisch in sich kreisende Tonfolge mit wechselnden Akzentuierungen (5/4- und 6/4-Takt) schildert den gemächlich hin- und herschreitenden Ausstellungsbesucher und sein versonnenes Innehalten vor den einzelnen Bildern. Wie ein roter Faden zieht sich dieses Thema durch das Werk. Der programmatischen Bedeutung entsprechend verbindet es, neugeformt zu kürzeren Zwischenspielen, einige Bilder miteinander. Zweimal greift es an entscheidender Stelle aussagekräftig in die thematische Gestaltung der Stücke selbst ein.

Ein missgestalteter Zwerg ist Gegenstand des ersten Bildes mit dem Titel „Gnomus“. Seine musikalische Darstellung vollzieht sich auf der Ebene naturalistischer Nachahmung von Bewegungen; ein zerklüftetes Achtel-Motiv, weite Tonsprünge und abrupte Unterbrechungen, chromatisch schleifende Bässe und lauernde Triller verdeutlichen die grotesken Sprünge, das Stolpern und Hinken des hässlichen und gleichermaßen bedauernswerten Wesens. – Mehr symbolisch wird „Das alte Schloss“ beschrieben. Eine getragene Melodie über dem Orgelpunkt Gis, dazu die Siciliano-Begleitung rufen Erinnerungen an den fahrenden Sänger mit der Drehleier herauf. – Tändelnde Kleinterzintervalle, die umschlagen in eilige Sechzehntel, charakterisieren die spielenden und sich streitenden Kinder in den „Tuileries“. – Auch das nächste Bild, „Bydlo“, formiert sich zur kleinen Szene. Ein großer, zweirädriger Ochsenkarren fährt polternd vorbei. Hier ist es das gleichmäßig durchlaufende Quasi-Ostinato, das den Klanggrund für das schwermütige Solo abgibt; mit einem gewaltigen Crescendo nähert sich das Gefährt und verschwindet, immer leiser werdend und motivisch sich auflösend, in der Ferne.- Das „Ballett der Küken in ihren Eierschalen“, nach einer flüchtig hingeworfenen Kostümskizze Hartmanns, ist ein duftiges Scherzino, dreiteilig mit einer kurzen Coda. Die hohen Lagen ahmen mit vielerlei zierlichen Spielfiguren das Piepsen und Flattern der ausschlüpfenden Küken nach. – Zwei gegensätzliche Gedanken bilden das Ausgangsmaterial für die Unterhaltung der beiden Juden „Samuel Goldenberg und Schmuyle“. Sie werden getrennt exponiert, zuerst das wichtigtuerische Unisono des reichen Samuel, dann die weinerlich stammelnden Tonrepetitionen und Vorschläge als Antwort des armen Juden, um sich endlich zum lautstarken Gegeneinander der Argumente zu vereinigen. – Geschäftiges Leben, das fröhliche Geschwätz und Gekreisch der Marktfrauen ist auf dem „Markt in Limoges“ zu hören., einem farbenfrohen Tongemälde.
Hartmanns Bildvorlage zu den düsteren „Catacombae“ zeigte den Maler bei einem Besuch der Pariser Katakomben. mussorgskij teilt sein Bild in 2 Abschnitte ein. Der erste, „Sepulchrum Romanum“ („Das römische Grab“), schildert mit fahlen, lang klingenden Akkorden von kühner Modernität und extremer dynamischer Gegensätzlichkeit das Gemisch von Grauen und weihevollem Schauder, das den Besucher der unterirdischen Totenstadt befällt. Der zweite Teil, „Cum mortuis in lingua mortua“ („Mit den Toten in der Sprache der Toten“), ist ein mystisches Zwiegespräch des Komponisten mit dem verstorbenen Freunde. Zum hoch schwirrenden Tremolo ertönt das Promenadenthema – der Komponist nannte es einmal sein geistiges Abbild – alternierend in hoher und tiefer Lage; es klingt aus in überirdisch leuchtendem H-Dur. Auf dem Originalmanuskript findet sich dazu die Notiz: „Der schöpferische Geist des verstorbenen Hartmann führt mich zu den Schädeln und ruft sie an – die Schädel beginnen im Innern sanft zu glühen.“

Die „Hütte auf den Hühnerfüßen“ ist im russischen Märchen die Wohnung der Hexe Baba Yaga. Während Hartmanns Blatt nichts weiter darstellt als ein reich verziertes Uhrgehäuse, das auf Hühnerkrallen ruht, inszeniert mussorgskij den Ritt der Baba Yaga als ein Stück voll scharfer Akzente, wilder Bewegungen und Barbarismen. Selbst der ruhigere Mittelteil ist geprägt von zahlreichen Dissonanzspannungen, die durch die harmonische Eigenständigkeit von Melodie und Begleitfigur zustande kommen und den frühen Bartók und Strawinsky ahnen lassen. – Zu einem großartigen Finale weitet sich das letzte Bild. In feierlicher Prozession, beim Klang der Glocken und der Gesänge der Priester, bewegt sich eine festliche Menge durch „Das große Tor von Kiew“ . Wie schon im 2. Abschnitt von „Catacombae“ wird das Promenadenthema von seiner überleitenden Funktion entbunden und, als Prozessionsweise überhöht, in die musikalische Szenerie mit hineingenommen. Der Betrachter Mussorgskij identifiziert sich gleichsam als ein Teil des Ganzen mit dem Bildgeschehen, und so wird aus dem mitempfindenden Gedenken für den Freund ein herrliches Bekenntnis zur großen Tradition russischer Geistigkeit.

Das Orgelwerk „Prélude, Fugue et Variation“ von Cesar Franck in der Bearbeitung für Klavier von Michael Nuber gehört zu den Frühwerken des Komponisten. Im Prélude hören wir eine eingängige Melodie, der Mittelteil bringt – typisch für Franck – eine Fuge, anschließend erklingt die Melodie des Préludes zart umspielt und variiert. Ein wunderschönes Werk der Romantik, das auf dem Flügel erst sein wahres romantisches Wesen findet.


César Franck (1822-90), geboren in Lüttich, lebte an 1835 in Frankreich, studierte Klavier, Orgel und Komposition. Als Privatmusiklehrer, später als Lehrer am Konservatorium unterrichtete er viele später berühmte Musiker.
Im Mittelpunkt seines Schaffens steht die Instrumentalmusik. Sein bahnbrechendes Streben nach absoluter Musik widersetzt sich dem herrschenden französischen Zeitgeschmack. Die Rückbesinnung auf Bach und Beethoven und die Auseinandersetzung mit ihrer Formenwelt führen zu einer nationalen Schule Frankreichs.
Die Bandbreite seiner Ausdrucksskala reicht von mystischer Versonnenheit bis zur hymnischen Extase. Seine vorhaltreiche, chromatische Harmonik stößt bereits an die Grenzbereiche funktionaler Deutbarkeit. Im formalen Bereich trägt er zur Weiterentwicklung zyklischer Formen bei, indem er Themen eines Werkes einem gemeinsamen Grundgedanken verpflichtet oder durch die Variierung zweier Themen Variations- und Sonatenform miteinander verbindet.


Michael Nuber studierte an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart bei Prof. Bernhard Kistler-Liebendörfer Klavier, Musikgeschichte bei Prof. Joachim Kaiser weitere Fächer bei den Professoren Uhde, Karkoschka, Gerlach und Gümbel. Seither konzertiert er sowohl als Solist und in verschiedenen kammermusikalischen Besetzungen (Klavierduo, mit Cello, Violine, Flöte sowie als Liedbegleiter) u.a. mit dem Cellisten Kálmán Dobos und der Sängerin Eva Lebherz-Valentin. Er gibt jährlich über 30 Konzerte - mit etwa 16 verschiedenen Programmen. Sie führten ihn unter anderem nach Rumänien (Bukarest und Mozartfestival in Klausenburg), in die Schweiz und viele Jahre nach Großbritannien. Wiederholt wurde er engagiert vom Herzog von Württemberg. Teilnahme am Festival „Europäische Kirchenmusik“ in Schwäbisch Gmünd mit einem Liszt-Programm, Engagements bei den Schlosskonzerten in Tettnang, Altshausen, Kunstschloss Hermsdorf/Dresden und Lindach. Beethovens 3. Klavierkonzert mit „Concerto Konstanz“ im Konzilsaal Konstanz. Schwerpunkte seines umfangreichen Repertoires bilden Bach, Beethoven (alle 32 Klaviersonaten), Schubert, Chopin (Gesamtwerk), Liszt, Skrjabin und Debussy.
Seit seinem 16. Lebensjahr widmet sich Michael Nuber auch der Komposition. Seither entstanden außer zahlreichen Klavierwerken einige Sonaten und Albumblätter für Flöte und Klavier, eine Fantasie für Cello und Klavier, ein Trio für Klavier, Flöte und Cello, eine Sonate für 2 Klaviere, ein Duo für Klavier zu 4 Händen sowie eine viersätzige Fantasie für Klavier als Psychogramm einer jungen Frau, die sich in einer ernsten Lebenskrise befindet. Bisher sind es 95 mit Opus-Nummern versehene Werke.
Außerdem schuf er viele Transkriptionen von Liedern von Schumann, Liszt, Fauré, Debussy und Ravel und weitere Bearbeitungen von Werken von Bach, Mozart, Schubert, Franck, Bruckner u.a.

Presse:

Südkurier (Konstanz) vom 26.9.2022 zu Nubers Auftritt im Konzilsaal in Konstanz mit Beethovens 3. Klavierkonzert:
„Er präsentierte ein kantiges, durchdachtes Spiel mit virtuos gepfefferter Tonkaskaden-Akrobatik, tief in die Klaviatur versenkt bei pianissimo herausmodelliertem Klang und dem Sinn für dramatische Steigerungen in Episoden und gewaltigen, von Nuber komponierten Solokadenzen. Daraus ergab sich eine Beethoven-Interpretation, die begeisterte und in der Zugabe von Debussys „Feux d’artifice noch einmal artistisch eskalierte.“

„Man möchte den hochbegabten Künstler bald wieder, vielleicht sogar in einem der großen Konzertsäle, wiedersehen. Denn sein Klavierabend war ohne Zweifel ein Ereignis und vermittelte die Bekanntschaft mit einem bisher unbekannten Pianisten, der nicht nur eine ungewöhnliche Persönlichkeit ist, sondern bei einer kontinuierlichen Entwicklung bald zur Pianistenelite zählen könnte. ... Man hat bei seinem Spiel immer das Gefühl des Hineinhorchens bei gleichzeitiger kritischer Auseinandersetzung mit der Partitur. Seine Spieltechnik ist nahezu perfekt und erlaubt ihm den Zugang zu den technisch schwierigsten Werken der Klavierliteratur. ...“ Allg. Deutsche Zeitung für Rumänien 1994

Adavanul de Cluj (Klausenburg) Dez. 1994: Über Nubers Auftritt beim Mozart-Festival in Klausenburg/Rumänien: „... das ungewöhnliche des Festivals wurde erreicht durch die Anwesenheit des deutschen Pianisten Michael Nuber. Von einer ganz außergewöhnlichen Sensibilität, mit seiner extrem expressiven Hand (...) von einer inneren Tiefe, hat Michael Nuber uns À la Chapelle Sixtine und Reminiscenses de Don Juan dargeboten mit dem Pathos und der Bewunderung eines der Welt Entrückten am Rande der Extase.“

Gäubote 2011:… schließlich Chopins „Ballade g-moll“, in der sich Nuber von einem zum anderen Extrem fast bis zur Bipolarität aufspaltete, jede Nuance mit Bedeutung auflud. Kurze Momente der Euphorie wechselten sich ab mit Passagen zusammengebissener Zähne… Ein Triumph auf ganzer Linie für einen Musiker dessen emotionale Verfasstheit nicht nur komplett in seine Musik fließt, sondern sich auch auf beeindruckende Weise in seiner Mimik und Gestik widerspiegelt. Diese alles vereinnahmende Energie belässt nun mal kein Atom an seinem Platz.…“
RZ Februar 2023: Michael Nuber spielt meisterhaft
Der Konzertpianist Michael Nuber bietet alle paar Wochen in Schwäbisch Gmünd fesselnde Konzertprogramme. Sein Spiel ist in jeder Hinsicht auf Top-Niveau. seine Anschlagstechnik erlaubt ihm eine unglaubliche Spannbreite der Dynamik.
Nuber beherrscht alle Techniken für die klassisch-romantische Literatur aber auch weit darüber hinaus, sein polyphones und strukturelles Denken und Fühlen schließt die Werke kammermusikalisch auf und führt den Hörer durch schwierigste Materie.
Am vergangenen Sonntag konnte man der Darbietung einer Auswahl romantischer Werke lauschen von Mendelssohn, Schumann, Chopin und Brahms. Wieder war man vom dem beseelten und packenden Spiel fasziniert. (...)
Die vier ausgewählten Werke von Brahms bestachen durch Innerlichkeit und Leidenschaft, führten aber an vielen Stellen die Hörer zum Übersinnlichen. Michael Nuber spielt solche Werke niemals konventionell. Er analysiert und findet seine Interpretation zum Teil weit ab vom üblichen Weg, aber eben in den vom Komponisten vorgegebenen Strukturen. Er schafft es dabei zu fesseln, er führt seine Zuhörer in ungeahnte Welten.
Gleich beim Capriccio fis-moll aus op.76 stand die Welt manchmal still und Nuber blickte in nicht- irdische Welten und zeigte sie mit seinem Spiel seinen Hörern. Aber auch geballte Leidenschaft in der Rhapsodie h-moll oder im Capriccio g-moll op.116/3 war zu spüren und packte die Menschen im Saal. Interessant war, mit welch freiem Tempo der Pianist die Rhapsodie gestaltete und trotzdem oder gerade deshalb den Spannungsbogen nirgends reißen ließ. Selbst das kleine Intermezzo C-Dur op.119/3 fiel durch Freiheiten des Tempos auf, aber man spürte immer, dass Nuber den harmonischen Gehalt des Werkes im Auge hatte und seine Phrasierung dadurch natürlich atmete und Zusammenhänge freilegte. So polyphon wie bei Nuber wird man selten diese Stücke von Brahms hören. Aber gerade dies führt zu einer interpretatorischen Dichte und einer Farbigkeit im Klang. (...)

RZ zu Liszt-Abend 19.11.2023:
Im zweiten Teil erklangen Bearbeitungen romantischer Opern (aus „Tristan und Isolde“ und „Rigoletto“) und der berühmte Erste Mephisto-Walzer, allesamt Werke der Klasse „fast unspielbar“. Nuber zauberte mit technischen Finessen in der Rigoletto-Paraphrase, spielte atemberaubende Läufe und Dreiklangsbrechungen, Oktaven-Passagen, filigranste Verzierungen und gestaltete aus diesen technischen Elementen reinste romantische Musik. Isoldens Liebestod spielte Nuber in einer gemischten Fassung von Liszt und Moszkowski mit einigen eigenen Veränderungen. Hier zeigte sich die Kunst des langsamen Spannungsaufbaus und die Beherrschung des Orchestralen auf dem Klavier beim riesigen Höhepunkt. Nuber singt nicht nur auf und mit dem Klavier, er schattiert auch die Klangfarben nach den jeweiligen Harmonien.Beim Mephisto-Walzer wuchs der Gmünder Konzertpianist dann nochmal über sich hinaus. Was hier an technischen Raffinessen aller Art gefordert ist, ist unglaublich. Aber Nuber spielt hier nie um der Technik-Vorführung willen, er beleuchtet das Teuflische, den Irrsinn, die Wollust, die intensivsten Leidenschaften, die man sich vorstellen kann. Und das mit einer Sicherheit bei den heikelsten Sprüngen, den irrwitzigsten Läufen, bei den tollsten Kaskaden… Selten ist man dem Teufel und der Liebe so nahe in der Musik, wie in Michael Nubers Interpretation.
Langer Beifall belohnte den Musiker – er wollte eigentlich keine Zugabe spielen. Das Publikum blieb aber einfach sitzen und wurde dann doch noch mit der Romanze aus dem Jahre 1849 belohnt. Ein wunderbar melancholisches und gesangliches Klavierwerk.
Dieser Abend wird sicher lange in Erinnerung bleiben – es war Musik und Spannung pur – eine Sternstunde mit Michael Nuber und Franz Liszt.


„Michael Nuber ist ein Musik-“Entrückter“ am Klavier und man versteht, wenn man ihm lauscht, wie die vergangenen Fabelgestalten Liszt und Paganini ihr Publikum völlig verzaubern konnten, daß man ihnen sogar nichtirdische Kräfte zugeschrieben hatte.“ (RZ)

Ein Foto von Michael Nuber.
Th. Vaas

Klavierabend Michael Nuber

So.,29.11.2026 19 Uhr Schwörhaus (Städt. Musikschule)
Erika Künzelplatz 1
Schubert und Chopin: Meisterwerke:

Chopin: Impromptus Ges-Dur und cis-moll (Fantasie-Impromptu), Polonaise As-Dur op.53, Ballade Nr. 2
Schubert: Sonate a-moll D 845

Chopin:
Balladen: Da deutliche Analogien zu den nur von Freunden überlieferten literarischen Vorwürfen fehlen, kann man sicher behaupten, dass diese Werke weitgehend frei sich aus ihrer musikalischen Substanz entwickeln. In allen 4 Balladen sind es zwei mehr oder weniger gegensätzliche Themenkomplexe, die sich verändernd abwechseln und jeweils eine der großen Formen Chopins bilden.

Die zweite Ballade op.38, eines der extremsten und pianistisch schwierigstens Werke des Komponisten. Die große lyrisch-dramatische Ballade, die zwischen den Tonarten F-Dur und a-moll schwankt, stellt höchst unterschiedliche Gefühlsebenen unmittelbar gegenüber und ist eines der extremsten Klavierwerke Chopins. Vollendete Ruhe und extrem dramatische Ausbrüche, wie man sie selten bei Chopin erleben kann, wechseln hier ab und führen zu einem der wildesten Schlüsse seiner Klaviermusik.
kontrastieren hier mit weitausschweifender polnischer Melodik und Harmonik. Ein Meisterwerk!


Impromptus:
Mit Ausnahme des weiträumiger aufgebauten 2. Impromptu ist den anderen drei Werken dieser Gattung der schnelle, improvisatorische Hauptteil, ein langsamer, oft melancholisch-gesanglicher Mittelteil und die leicht veränderte Reprise des ersten Teils. Vor allem das dritte in Ges-Dur wartet mit sehr nuancenreichen Harmonien auf und führt diese Gattung auf einen Gipfel weit ab vom Salon. Am bekanntesten ist das vierte (in der kompositorischen Reihenfolge das erste), vom Herausgeber „Fantasie–Impromptu“ genannt. Chopin wollte es gar nicht veröffentlichen. Heutzutage ist es eines der beliebtesten Klavierwerke überhaupt (wahrscheinlich wegen des wunderschönen ausdrucksvollen Mittelteil und den atemberaubenden schnellen Läufen des Hauptteils.



Die Polonaise taucht als stilisierter Tanz in der Kunstmusik bereits seit dem Ende des 16. Jahrhunderts auf. Chopin legte mit seinen Polonaisen gleichzeitig ein Bekenntnis zu seinem Heimatland Polen ab. Die Gattung beschäftigte ihn gewissermaßen von Kindheit an. Sein frühestes gedrucktes Werk war eine Polonaise (KK IIa Nr. 1 in g-moll), die er mit sieben Jahren komponiert hatte. Auch die erst postum veröffentlichten drei Polonaisen op. 71 sowie KK IVa Nr. 1-3, 5 und 8 sind Jugendwerke aus der Warschauer Zeit. Reife Werke sind dann die sieben großen Polonaisen Op. 26 Nr. 1 und 2, Op. 40 Nr. 1 und 2, Op. 44 und 53 und vor allem die Polonaise-Fantaisie op. 61 von 1845/46, Chopins letzte große Klavierkomposition. In ihrer Mischung aus Festlichkeit und Eleganz, aus Kraft und Geschmeidigkeit, aus heroischem Pathos und lieblicher Anmut sind sie alle Zeugen der großen Kunst dieses Komponisten.

Polonaise As-Dur op.53: Sie ist eines der bekanntesten und bedeutendsten Klavierwerke Chopins. Den Beinamen Héroïque erhielt sie später von Musikwissenschaftlern und Pianisten.
„Prachtvoll die gespannte, spannungsreiche Einleitung über dem Es als Dominantgrundton mit dem Wechsel von chromatisch auffahrenden Akkorden und rollenden Sechzehntelfiguren, die von jeweils anderen Harmonien (je vier Akkordschläge) durchsetzt werden. Dann erst die Grundtonart As-Dur, dann erst das Hauptthema mit den Quartschritten der Baßoktaven, stolz und kühn, ritterlich und glanzvoll. Machtvoll auch der mit Trillern und Prallern festlich geschmückte Überleitungsgedanke und der harfenmäßig emporschnellende Lauf, bis das Thema noch glänzender auftritt, in hoher Lage, mit wuchtigen Oktaven und Zwischentrillern. Stark auch die Nebengedanken. Mittelsatz in terzverwandtem E-Dur; eingeleitet durch sieben rauschende Fortissimo-Akkorde, daran schließt sich pianissimo eine viertonige, absteigende Baßfigur (e/dis/cis/h), die als Stakkato-Oktave sich unablässig wiederholt und dem ganzen Satz als Grundlage dient. Dazu ein rhythmisch festes Thema, wie von drei Trompeten geblasen. Riesenhaft die Steigerung des Satzes. Zum Schluss kehrt der Hauptsatz in höchstem Glanz wieder. Die letzten drei Takte sind ein schönes Beispiel dafür, wie Chopin seine Schlüsse bildet: ganz frei und doch einfach.“ – Otto Schumann
Schuberts a-moll-Sonate D 845, die er 1825 komponierte und im folgenden Jahr als op.42 mit der Widmung an den Erzherzog Rudolf unter dem Titel „Grande Sonate“ veröffentlichte, nimmt eine Ausnahmestellung in seinem Sonatenwerk ein. Sie trägt ihren Titel zurecht, die Weite der viersätzigen Form, die Fülle der musikalischen Details und die Dynamik des Ausdrucks heben sie über ihre Vorgängerinnen hinaus. Sie steht gleichwertig, wenn auch ihrem Wesen nach unverwechselbar, neben der großen Form Beethovens. Fast nie hat Schubert eine sonst so dramatische Sonate geschrieben, die so unerbittlich sein schweres Schicksal zeigt, selten bekennt Schubert, wie sehr er sich von der Welt entfernt hat, wie er total vereinsamt dasteht. Die Worte Rückerts „Ich bin der Welt abhanden gekommen“ sind wohl der beste Ausdruck dieses tiefen innerlichen Schmerzes.


Franz Schubert (1797-1828), geb. bei Wien, mährischer Abstammung unterrichtete 1814-17 als Hilfslehrer. Vergebliche Bewerbungen als Musiklehrer und Kapellmeister. Bis auf zwei durch wirtschaftliche Notlagen bedingte Aufenthalte als Klavierlehrer bei Graf Johann Karl Esterházy von Galantha auf Gut Zelesz in Ungarn (1818 und 1824) lebt Schubert von 1817 bis zu seinem frühen Tod als freischaffender Komponist. Die Verleger bekunden wenig Interesse an seinen Kompositionen. Nur etwa 10 % seiner Werke erscheinen zu seinen Lebzeiten, beschränkt auf Österreich, im Druck. Stütze und Rückhalt seines Lebens bildet ein großer, hilfreicher Freundeskreis, der sich ab 1820 in der „Schubert-Runde“ um ihn schart (darunter Dichter, Maler, Komponisten u.a. Musiker).
Kompositionen:
Über 600 Lieder, darunter die Liederzyklen „Die schöne Müllerin“, „Winterreise“ und „Schwanengesang“, 8 Sinfonien, Opern, Messen, geistliche und weltliche Chormusik, Kammermusik und 21 Klaviersonaten (davon nur 12 vollendet) und zahlreiche andere Klavierwerke sowie außergewöhnlich viele Werke für Klavier zu 4 Händen.

Er vollendete von 21 Klaviersonaten nur 12. Sie lassen sich in 3 Perioden einteilen:
1815-19 (13 Sonaten), 1823-26 (5 Sonaten) und 1828 (3 Sonaten).
Im Gegensatz zu Beethovens Klaviersonaten, bei denen ein primäres kompositorisches Konzept das Spannungsfeld der Themen formt, bestimmt bei Schubert das Fortspinnungsprinzip der Melodien Inhalt und Verlauf der Komposition. Auch in den Durchführungsteilen ersetzt die Arbeitsweise des Lyrikers den dialektischen Konflikt durch eine farbenreiche Palette tonartlicher, harmonischer oder dynamischer Varianten und Umdeutungen. Die gestalterischen Absichten wenden sich weniger der Sonatenarchitektur als dem kompositorischen Detail zu, hier gewinnen vor allem romantische Harmonien ein gewichtiges Spannungselement.
Schuberts Harmonik geht weit über die der Klassik hinaus. Herrscht bei Haydn, Mozart und Beethoven das strenge Zieldenken der Funktionsharmonik vor, das sich in der bestimmenden Rolle des Verhältnisses von Dominante und Tonika, des primitiven Quintfalles repräsentiert, gewinnen bei Schubert die Medianten und Parallelen eine Bedeutung, die der der Dominanten gleichkommt, der Terzschritt der Harmonie hat dieselbe konstruktive Kraft wie der Quintfall. Die Ausnutzung der Terzverwandtschaften dient keineswegs nur der harmonischen Farbe, sie ist ein neues konstruktives Prinzip, das dem Satz etwas Schwebendes und Schweifendes, dem Klang etwas Vegetativ-Ruhiges verleiht; das Träumerisch-Phantastische, Mediale der romantischen Musik, das der willensbetonten, von Dominantspannungen beherrschten Klassik entgegengesetzt ist, liegt in ihrer harmonischen Eigenart.

Frédéric Chopin (1810-49), geboren bei Warschau, begibt sich 1829 auf seine erste Konzertreise nach Wien, Prag und Dresden. 1830 verläßt er für immer seine polnische Heimat, wohnt ab 1831 in Paris (nach der blutigen Niederwerfung des polnischen Aufstandes durch die Russen). Mit Komponisten wie Berlioz, Liszt und Paganini steht er im Mittelpunkt des Pariser Musik- und Gesellschaftslebens. Deutschlandreisen 1834 und 1836, Freundschaften zu Mendelssohn, Schumann und Clara Wieck. Ab 1837 Beeiträchtigung durch Lungenleiden. 1838 bis 1847 lebt er mit der Schriftstellerin George Sand auf Landgut Nohant, mit ihr im Winter 1838/39 im Kartäuserkloster Valdemosa auf Mallorca. Letztes Konzert in Paris 1848.
Abgesehen von 20 Liedern, dem Klaviertrio g-moll, 3 Werken für Cello und Kl. und den Rossini-Variationen für Flöte und Kl. hat Chopin ausschließlich Klavierwerke hinterlassen und , von den Sonaten abgesehen, vielseitig abgewandelte Kleinformen geschaffen, die zum Vollkommensten der Romantik zählen.
Die Schwerpunkte von Chopins Klavierstil liegen:
1. auf einer ausdrucksstarken, eigenständigen Melodik, die allenfalls in Nationaltänzen slawische Folklore verarbeitet,
2. auf einer abwechslungsreichen, in Tanzformen markanten Rhythmik
3. auf einer feinsinnigen Ornamentik, die Chopin zu einem Höhepunkt romantischer Verzierungskunst ausbildet
4. auf einer reichen, durch Vorhaltsbildungen belebten Harmonik
5. auf einer kühnen, zukunftsweisenden (auf Skrjabin deutenden) Chromatik,
6. auf einer differenzierten, oft eigenwilligen, mit Vorliebe enharmonischen Möglichkeiten ausschöpfenden Modulationstechnik.

Wichtige Klavierwerke
24 Préludes op.28, 4 Balladen, 21 Nocturnes, ca. 58 Mazurken, ca. 15 Polonaisen, 4 Scherzi, 3 Klaviersonaten, 4 Impromtus, Fantasie f-moll, Barcarolle Fis-Dur, ca. 19 Walzer, 2 Klavierkonzerte



Michael Nuber studierte an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart bei Prof. Bernhard Kistler-Liebendörfer Klavier, Musikgeschichte bei Prof. Joachim Kaiser weitere Fächer bei den Professoren Uhde, Karkoschka, Gerlach und Gümbel. Seither konzertiert er sowohl als Solist und in verschiedenen kammermusikalischen Besetzungen (Klavierduo, mit Cello, Violine, Flöte sowie als Liedbegleiter) u.a. mit dem Cellisten Kálmán Dobos und der Sängerin Eva Lebherz-Valentin. Er gibt jährlich über 30 Konzerte - mit etwa 16 verschiedenen Programmen. Sie führten ihn unter anderem nach Rumänien (Bukarest und Mozartfestival in Klausenburg), in die Schweiz und viele Jahre nach Großbritannien. Wiederholt wurde er engagiert vom Herzog von Württemberg. Teilnahme am Festival „Europäische Kirchenmusik“ in Schwäbisch Gmünd mit einem Liszt-Programm, Engagements bei den Schlosskonzerten in Tettnang, Altshausen, Kunstschloss Hermsdorf/Dresden und Lindach. Beethovens 3. Klavierkonzert mit „Concerto Konstanz“ im Konzilsaal Konstanz. Schwerpunkte seines umfangreichen Repertoires bilden Bach, Beethoven (alle 32 Klaviersonaten), Schubert, Chopin (Gesamtwerk), Liszt, Skrjabin und Debussy.
Seit seinem 16. Lebensjahr widmet sich Michael Nuber auch der Komposition. Seither entstanden außer zahlreichen Klavierwerken einige Sonaten und Albumblätter für Flöte und Klavier, eine Fantasie für Cello und Klavier, ein Trio für Klavier, Flöte und Cello, eine Sonate für 2 Klaviere, ein Duo für Klavier zu 4 Händen sowie eine viersätzige Fantasie für Klavier als Psychogramm einer jungen Frau, die sich in einer ernsten Lebenskrise befindet. Bisher sind es 95 mit Opus-Nummern versehene Werke.
Außerdem schuf er viele Transkriptionen von Liedern von Schumann, Liszt, Fauré, Debussy und Ravel und weitere Bearbeitungen von Werken von Bach, Mozart, Schubert, Franck, Bruckner u.a.

Presse:

Südkurier (Konstanz) vom 26.9.2022 zu Nubers Auftritt im Konzilsaal in Konstanz mit Beethovens 3. Klavierkonzert:
„Er präsentierte ein kantiges, durchdachtes Spiel mit virtuos gepfefferter Tonkaskaden-Akrobatik, tief in die Klaviatur versenkt bei pianissimo herausmodelliertem Klang und dem Sinn für dramatische Steigerungen in Episoden und gewaltigen, von Nuber komponierten Solokadenzen. Daraus ergab sich eine Beethoven-Interpretation, die begeisterte und in der Zugabe von Debussys „Feux d’artifice noch einmal artistisch eskalierte.“

„Man möchte den hochbegabten Künstler bald wieder, vielleicht sogar in einem der großen Konzertsäle, wiedersehen. Denn sein Klavierabend war ohne Zweifel ein Ereignis und vermittelte die Bekanntschaft mit einem bisher unbekannten Pianisten, der nicht nur eine ungewöhnliche Persönlichkeit ist, sondern bei einer kontinuierlichen Entwicklung bald zur Pianistenelite zählen könnte. ... Man hat bei seinem Spiel immer das Gefühl des Hineinhorchens bei gleichzeitiger kritischer Auseinandersetzung mit der Partitur. Seine Spieltechnik ist nahezu perfekt und erlaubt ihm den Zugang zu den technisch schwierigsten Werken der Klavierliteratur. ...“ Allg. Deutsche Zeitung für Rumänien 1994

Adavanul de Cluj (Klausenburg) Dez. 1994: Über Nubers Auftritt beim Mozart-Festival in Klausenburg/Rumänien: „... das ungewöhnliche des Festivals wurde erreicht durch die Anwesenheit des deutschen Pianisten Michael Nuber. Von einer ganz außergewöhnlichen Sensibilität, mit seiner extrem expressiven Hand (...) von einer inneren Tiefe, hat Michael Nuber uns À la Chapelle Sixtine und Reminiscenses de Don Juan dargeboten mit dem Pathos und der Bewunderung eines der Welt Entrückten am Rande der Extase.“

Gäubote 2011:… schließlich Chopins „Ballade g-moll“, in der sich Nuber von einem zum anderen Extrem fast bis zur Bipolarität aufspaltete, jede Nuance mit Bedeutung auflud. Kurze Momente der Euphorie wechselten sich ab mit Passagen zusammengebissener Zähne… Ein Triumph auf ganzer Linie für einen Musiker dessen emotionale Verfasstheit nicht nur komplett in seine Musik fließt, sondern sich auch auf beeindruckende Weise in seiner Mimik und Gestik widerspiegelt. Diese alles vereinnahmende Energie belässt nun mal kein Atom an seinem Platz.…“
RZ Februar 2023: Michael Nuber spielt meisterhaft
Der Konzertpianist Michael Nuber bietet alle paar Wochen in Schwäbisch Gmünd fesselnde Konzertprogramme. Sein Spiel ist in jeder Hinsicht auf Top-Niveau. seine Anschlagstechnik erlaubt ihm eine unglaubliche Spannbreite der Dynamik.
Nuber beherrscht alle Techniken für die klassisch-romantische Literatur aber auch weit darüber hinaus, sein polyphones und strukturelles Denken und Fühlen schließt die Werke kammermusikalisch auf und führt den Hörer durch schwierigste Materie.
Am vergangenen Sonntag konnte man der Darbietung einer Auswahl romantischer Werke lauschen von Mendelssohn, Schumann, Chopin und Brahms. Wieder war man vom dem beseelten und packenden Spiel fasziniert. (...)
Die vier ausgewählten Werke von Brahms bestachen durch Innerlichkeit und Leidenschaft, führten aber an vielen Stellen die Hörer zum Übersinnlichen. Michael Nuber spielt solche Werke niemals konventionell. Er analysiert und findet seine Interpretation zum Teil weit ab vom üblichen Weg, aber eben in den vom Komponisten vorgegebenen Strukturen. Er schafft es dabei zu fesseln, er führt seine Zuhörer in ungeahnte Welten.
Gleich beim Capriccio fis-moll aus op.76 stand die Welt manchmal still und Nuber blickte in nicht- irdische Welten und zeigte sie mit seinem Spiel seinen Hörern. Aber auch geballte Leidenschaft in der Rhapsodie h-moll oder im Capriccio g-moll op.116/3 war zu spüren und packte die Menschen im Saal. Interessant war, mit welch freiem Tempo der Pianist die Rhapsodie gestaltete und trotzdem oder gerade deshalb den Spannungsbogen nirgends reißen ließ. Selbst das kleine Intermezzo C-Dur op.119/3 fiel durch Freiheiten des Tempos auf, aber man spürte immer, dass Nuber den harmonischen Gehalt des Werkes im Auge hatte und seine Phrasierung dadurch natürlich atmete und Zusammenhänge freilegte. So polyphon wie bei Nuber wird man selten diese Stücke von Brahms hören. Aber gerade dies führt zu einer interpretatorischen Dichte und einer Farbigkeit im Klang. (...)

RZ zu Liszt-Abend 19.11.2023:
Im zweiten Teil erklangen Bearbeitungen romantischer Opern (aus „Tristan und Isolde“ und „Rigoletto“) und der berühmte Erste Mephisto-Walzer, allesamt Werke der Klasse „fast unspielbar“. Nuber zauberte mit technischen Finessen in der Rigoletto-Paraphrase, spielte atemberaubende Läufe und Dreiklangsbrechungen, Oktaven-Passagen, filigranste Verzierungen und gestaltete aus diesen technischen Elementen reinste romantische Musik. Isoldens Liebestod spielte Nuber in einer gemischten Fassung von Liszt und Moszkowski mit einigen eigenen Veränderungen. Hier zeigte sich die Kunst des langsamen Spannungsaufbaus und die Beherrschung des Orchestralen auf dem Klavier beim riesigen Höhepunkt. Nuber singt nicht nur auf und mit dem Klavier, er schattiert auch die Klangfarben nach den jeweiligen Harmonien.Beim Mephisto-Walzer wuchs der Gmünder Konzertpianist dann nochmal über sich hinaus. Was hier an technischen Raffinessen aller Art gefordert ist, ist unglaublich. Aber Nuber spielt hier nie um der Technik-Vorführung willen, er beleuchtet das Teuflische, den Irrsinn, die Wollust, die intensivsten Leidenschaften, die man sich vorstellen kann. Und das mit einer Sicherheit bei den heikelsten Sprüngen, den irrwitzigsten Läufen, bei den tollsten Kaskaden… Selten ist man dem Teufel und der Liebe so nahe in der Musik, wie in Michael Nubers Interpretation.
Langer Beifall belohnte den Musiker – er wollte eigentlich keine Zugabe spielen. Das Publikum blieb aber einfach sitzen und wurde dann doch noch mit der Romanze aus dem Jahre 1849 belohnt. Ein wunderbar melancholisches und gesangliches Klavierwerk.
Dieser Abend wird sicher lange in Erinnerung bleiben – es war Musik und Spannung pur – eine Sternstunde mit Michael Nuber und Franz Liszt.


„Michael Nuber ist ein Musik-“Entrückter“ am Klavier und man versteht, wenn man ihm lauscht, wie die vergangenen Fabelgestalten Liszt und Paganini ihr Publikum völlig verzaubern konnten, daß man ihnen sogar nichtirdische Kräfte zugeschrieben hatte.“ (RZ)

Die Kirche St. Michael mit Besuchern.
Musikschule

Adventskonzert

Am Sonntag 13. Dezember um 17 Uhr findet das traditionsreiche Adventskonzert der Musikschule statt. Dieses bildet den feierlichen Jahresabschluss der Städtischen Musikschule Schwäbisch Gmünd. Auch in diesem Jahr findet das Konzert in der Kirche St. Michael statt, die mit ihrem wunderbaren Raum geradezu dafür bestimmt ist.

Mit einem vielfältigen Programm bietet das Konzert einen Einblick in das Musizieren der Musikschule. Bläser, Streicher, Zupfinstrumente, große und kleine Ensembles bieten festliche und besinnliche Musik und machen den Abend zu einem musikalischen Erlebnis für die ganze Familie.

Der Eintritt ist frei. Am Ausgang besteht die Möglichkeit, den Verein der Freunde und Förderer der Städtischen Musikschule e. V. zu unterstützen, der die Ausbildung junger Musikschülerinnen und Musikschüler fördert.